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"Ich sehe nicht schwarz, ich glaube an die Poesie wie
ein kleiner Junge", heißt es in einem Coyne-Text. Dieser Weitsicht
verleiht er bildnerischen Ausdruck in einem Zeichenstil, bei dem sich
das elegant Anmutige mit dem kindlich Unbeholfenen vermischt. Bewusst
vermeidet er das allzu Glatte, seine Bilder sollen nicht "endgültig
fertig" erscheinen. Die Menschen mit ihren traurigen Dackelgesichtern,
die zoologisch nicht eindeutig festlegbaren Flug- und Krabbelwesen bieten
kein Abbild der Realität, sondern verweisen auf Umbruch und Erneuerung
in einer Zeit der Orientierungslosigkeit. Kevin Coyne hält die Welt
immer noch für heilbar. ...
Erlanger Nachrichten, 6. März 2002:
VERLUST DER KINDHEIT
"Fabelhafte Zeichnungen" von Kevin Coyne in der Galerie Beck
"Wunder" (miracle) hat Kevin Coyne mehrere seiner
Zeichnungen betitelt. Er meint damit aber eher die unheiligen Wunder,
die sich aus den merkwürdigen Verwandlungen der Alltagswelt ergeben.
Die Wunderbilder sind auch Rätselbilder, in denen Menschen, Tiere
und Puppen dasselbe Recht beanspruchen dürfen. Jedenfalls sind sie
oft schwer zu unterscheiden. Ihre Metamorphosen sind manchmal unheimlich,
aber vor allem sind sie komisch.
Der englische Rockmusiker und Bluessänger, der in Nürnberg lebt,
wenn er nicht gerade auf Tournee ist, verweigert sich nicht nur als Musiker
sondern auch als Zeichner und Maler allen gängigen Klischees: ein
Fabulierer und Humorist, dessen Bildergeschichten stets von der ungemütlich
schwarzhumorigen Sorte sind. "Fabelhafte Zeichnungen" nennt
Hartmut Beck die vierte Ausstellung Kevin Coynes in seiner Erlanger Galerie.
1988 hatte er seine Bilder erstmals in Deutschland präsentiert.
Die Erinnerung an die alte Tierfabel ist kein schlechter Ausgangspunkt
zum Verständnis der Bilder. Allerdings vermeidet Kevin Coyne jegliche
lehrhafte Gegenüberstellung von tierischem und menschlichem Verhalten.
Ihn interessiert der spielerische Übergang von Hühnerkopf und
Menschenkopf' die Schlange als Halsband, der Krokodilrachen im Gesicht.
Die Moral von der Geschichte, die alles erklärt, gibt es nicht mehr.
Im Spiel setzt sich immer die Kinderwelt, die gemessen an der Welt der
Erwachsenen eine verkehrte Welt wäre, als die rechtmäßige
durch. "Young Elvis with puppet", der kleine Elvis mit seiner
Puppe, ist dem Geheimnis des King auf der Spur. Der Teddy, der auf einem
anderen Blatt mit einem greisenhaften Kind spielt, widerspricht aber allen
einfachen Erklärungen.
Gebrochene Naivität
Vermutlich kann man Kevin Coynes harte Linien, seine Buntstift-Ausmalungen
mit der Tradition der Art Brut in Verbindung bringen. Aber solche Klassifizierungen
sagen, wie gewöhnlich, nichts aus. Sein Ausgangspunkt ist die Kinderzeichnung,
deren Naivität gebrochen ist durch die Sprache des Comic, vor allem
aber durch den Rückgriff auf die Karikaturisten des 19. Jahrhunderts,
die, wie George Cruikshank und Gustave Doré, die seit Bosch lebendigen
Groteskfiguren aktualisiert haben. "Wie dumm wir geworden sind"
(How silly we've become) nennt Kevin Coyne ein Bild. Es beruft sich auf
den Verlust der Kindheit als den Verlust an Unschuld.
KURT JAUSLIN
Erlanger Nachrichten
6. März 2002
Exhibitions Kevin Coyne
1978 - Midland Group Gallery, Nottingham
1988 - Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1988 - Galerie Karin Sachs, München
1989 - Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1990 - Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1991 - Kulturverein Stadt Schwabach
1991 - De Media, Eeklo (Belgium)
1991 - Kulturring C, Fürth
1992 - Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1992 - Galerie Klaus Lea, München
1992 - Galerie Wöller-Paquet, Frankfurt
1992 - Galerie Matuscheck, Wiesbaden
1993 - Bildraum , Zürich (Switzerland)
1994 - Galerie Tammen & Busch, Berlin
1994 - Galerie Klaus Lea, München
1994 - Bild der Zeit, Dresden
1995 - Galerie Herrmann, Neumarkt
1995 - Galerie Maison, Jean-Cousin, Sens/Paris (France)
1996 - Kulturzentrum Posthof, Linz (Austria)
1997 - Boston Photographic Resource Center, Boston University (Group exhibition)
USA
1998 - Ambient Art Gallery, Amsterdam (Holland)
1998 - Galerie am Werk, Leverkusen
1998 - Artefakt Galerie, Mülheim-Ruhr
1999 - Buchhandlung Prinz, Mannheim
1999 - Ambient Art Gallery, Amsterdam (Holland)
1999 - Romanfabrik, Frankfurt
2000 - Galerie Neue Kunst, Konstanz
2001 - Galerie Reinfeld, Bremen
2002 - Galerie Max Beck, Erlangen
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